GraceNotes
   

   Was ist die Bedeutung von "bekennen" in Römer 10:9-10?

9 Denn wenn du mit deinem Mund Jesus als den Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. 10 Denn mit dem Herzen glaubt man, um gerecht zu werden, und mit dem Mund bekennt man, um gerettet zu werden;

In den Kapiteln 3 und 4 des Römerbriefs begründet der Apostel Paulus unbestritten, dass man nur allein aufgrund von Glauben allein an Jesus Christus ewig vor Gott gerechtfertigt ist. Warum sagt er also im Kapitel 10, dass man für die Errettung "Jesus als den Herrn" bekennen muss?

Einige inakzeptable Ansichten

Einige Erklärungen zur Bedeutung von bekennen kollidieren mit Paulus Ansicht über Rechtfertigungs-Errettung allein durch Glauben. Falls bekennen zum Beispiel bedeutet, dass man eine vernehmbare, wörtliche Erklärung des Glaubens an Jesus gegenüber einer anderen Person oder einer christlichen Versammlung abgeben muss, dann ist dies ein Zusatz zum Glauben allein. Dasselbe träfe zu, wenn Bekennen als öffentliche christliche Taufe oder christliches Verhalten interpretiert würde. Das Thema wird noch komplizierter, wenn man "Jesus als den Herrn" bekennen als eine Art Verpflichtung interpretiert, die Jesus zum Meister des ganzen eigenen Lebens macht. Dies widerspricht mit Sicherheit dem kostenlosen Geschenk der Gerechtigkeit allein durch Glauben.

Das Wort selbst

Zum Verständnis des Wortes bekennen kann uns sein griechischer Ursprung, homologeo, etwas helfen. Die Wurzel homo bedeutet selbst und logeo sprechen, das heißt dasselbe sprechen oder zustimmen. Bekennen bedeutet, eine gemeinsame Ansicht zu haben, oder einzuräumen oder zuzugeben, dass etwas wahr ist. In dem Wort selbst steckt nichts, was eine öffentliche oder mündliche Erklärung anderen gegenüber erfordert. Zweimal im Römerbrief erfolgt das Bekenntnis Gott gegenüber (14:11; 15:9; vergleiche die Verwendung in 1 Johannes 1:9).

Der Kontext

Paulus schreibt in erster Linie an die Juden in Rom (10:1-3), obwohl diese Wahrheit für alle Menschen zutrifft (10:4, 11-13). Seine jüdischen Landsleute waren nicht auf ewig errettet, weil sie Christi Gerechtigkeit zurückgewiesen hatten während sie bemüht waren, ihre eigene nachzuweisen (10:3). Die Juden mussten an Jesus Christus als ihren Messias glauben; mit anderen Worten, sie mussten Ihn bekennen, um einzugestehen, dass nur Jesus ihnen Gerechtigkeit geben konnte. Bekennen hat daher dieselbe Bedeutung wie glauben (vergleiche, wie bekennen in 1 Johannes 2:23; 4:2-3; 2 Johannes 7 verwendet wird). Das Bekenntnis ist, wie der Glaube, auf Gott gerichtet, nicht auf Menschen. Glaube ist das herausragende Thema im Kontext (10:4, 6, 11, 14, 17). Paulus Austausch von bekennen und glauben in den Versen 9-11 weist auf eine ähnliche Bedeutung hin, so wie bei glauben und den Namen des Herrn anrufen in den Versen 11-13.

Das Zitat aus dem 5. Buch Mose

In den Versen 6-8 zitiert Paulus 5. Mose 30:12-14, um die Juden daran zu erinnern, was sie bereits gehört und wahrscheinlich sogar auswendig gelernt hatten. Sie mussten nicht aufwendig nach Gottes Gerechtigkeit suchen. Sie war und ist griffbereit—so nah wie ihre Münder und Herzen. Alles was die Juden tun müssen ist, die Wahrheit von Gottes alttestamentlichem Zeugnis der Gerechtigkeit im Messias einzuräumen oder zuzugeben, das heißt an Jesus Christus zu glauben. Der Mund und das Herz sind intrinsisch miteinander verbunden (Matt. 12:34; Lukas 6:45), wie sich sowohl in dem Zitat aus 5. Mose als auch darin zeigt, wie Paulus es verwendet.

"Jesus als den Herrn" zu bekennen bedeutet, einfach einzugestehen, dass Jesus der ist, von dem Gott sagt, dass Er es ist, der Messias und Retter. Die Bezeichnung "Herr" im Vers 9 und in dem Zitat aus Joel 2:32 im Vers 13 übersetzen den göttlichen Namen YHWH, der die primäre Bedeutung Gottheit hat. Daraus Herrschaft zu machen, erscheint willkürlich, da Jesu Gottheit viele göttliche Rollen beinhaltet (Schöpfer, Richter, Hohepriester, usw.).

Eine alternative Ansicht

Es gibt eine andere Ansicht über das bekennen in dieser Passage, die Paulus Lehre der Rechtfertigung allein durch Glauben nicht widerspricht. Diese Ansicht beginnt mit der Prämisse, dass der Zorn, den die Menschheit erfährt (1:18), zeitlich ist, und keinen ewigen Zorn oder ewige Verdammung beinhaltet. Römer 10:9-13 erklärt, wie die Juden Gottes zeitlichem Zorn durch ihre sie verfolgenden Feinde entgehen können. Jesus als den Herrn zu bekennen und den Namen des Herrn anzurufen bedeutet, sich öffentlich dem Gottesdienst der gläubigen Gemeinde anzuschließen. Allerdings richtet sich die Verheißung von Gottes Gerechtigkeit und Errettung im Kontext von Römer 10 nicht ausschließlich an die Juden (10:4, 11-13). Diese Ansicht interpretiert die Errettung auch als rein zeitlich und verweist auf Paulus Verwendung von Joel 2:32 im Vers 13 als eine Verheißung an Israel für die Erlösung von seinen Feinden in den letzten Tagen. Während dies wahr ist, deckt sich die zukünftige Erlösung Israels von seinen Feinden mit seiner geistlichen Erlösung von der Verdammung (Obad. 17; Sach. 12:1-10). Paulus könnte dies als ein allgemeines Prinzip verwendet haben, wonach alle, die Gott zur Erlösung (einschließlich ewiger Errettung) anrufen (glauben), eine Antwort auf ihren Glauben erhalten werden. Während diese Ansicht konsistent mit ewiger Errettung als kostenlosem Geschenk ist, spricht sie doch nicht angemessen den dominanten Kontext von Israels fehlender Gerechtigkeit an und wie sie sie erlangen können (10:1-8).

Schlussfolgerung

Angesichts der Betonung auf Israels fehlendem Glauben, um Gottes Gerechtigkeit zu erlangen, im Kontext, scheint bekennen im Lichte von 5. Mose 30:12-14 verwendet zu werden, um auf Israels (und jedermanns) Bedarf zu verweisen, Gott zuzustimmen, dass Gerechtigkeit nur durch den verheißenen Messias, Jesus Christus, kommt. Dies ist leicht erfassbar für diejenigen, die eingestehen, dass Gott Recht hatte und hat. Wie Paulus zuvor lehrte (Kapitel 3-4), kommt die Gerechtigkeit Gottes nicht durch unsere eigenen Bemühungen oder durch irgendetwas, was wir tun. Sie kommt nur durch Glauben an Gottes Zeugnis über den göttlichen Retter, Jesus.


*GraceNotes können heruntergeladen und kopiert werden, damit sie im Dienst verwendet werden können. Eine Genehmigung ist nicht erforderlich, wenn sie unbearbeitet und kostenlos verteilt werden. Wenn Sie keinen PDF-Viewer haben, können Sie hier klicken
GraceNote

GraceNotes
RSS Feed

GraceNotes sind kompakte, vierteljährlich erscheinende Bibelstudien zu wichtigen Themen betreffend Errettung durch Gnade und Leben durch Gnade. GraceNotes sind zum Download (*pdf verfügbar) und Kopieren bestimmt, so dass sie im Dienst für Gott verwendet werden können. Es ist keine Genehmigung erforderlich, wenn GraceNotes unverändert und kostenlos verteilt werden. Sie können die aktuellen GraceNotes erhalten, wenn Sie sich für unseren kostenlosen, vierteljährlich erscheinenden GraceLife-Newsletter anmelden.

GraceNotes