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   Gnadenlektionen aus dem Gleichnis über den verlorenen Sohn, Lukas 15:11-32

Diese bekannte Geschichte beschreibt Gottes Liebe zu Sündern, und das ist in der Tat der wichtigste Punkt, aber es gibt hier so viel über Gottes herrliche Gnade zu lernen. Im Kontext antwortet Jesus den Pharisäern, die Seine Liebe zu den Sündern kritisieren (Lukas 15:2-3), mit drei Geschichten. Die Geschichte vom verlorenen Sohn verdeutlicht ganz besonders Gottes Liebe zu Sündern als eine überwindende, erstaunliche und missverstandene Liebe.

Manche hinterfragen, ob diese Geschichte von unerretteten Sündern, die zu Gott kommen, oder von sündigen Christen, die wiederhergestellt werden, handelt. Sicherlich waren die Pharisäer die primäre Zielgruppe im Kontext des jüdischen Volkes und seiner Zurückweisung Jesu als Messias. Gott heißt all die Juden willkommen, die aus dem rebellischen Volk zu Ihm kommen. Aber die Geschichte ist nur bei Lukas aufgezeichnet, einem Buch, das primär an die Heiden gerichtet war, die auch die Liebe des Vaters zu ihnen erkennen müssen. Jeder, der gegen Gott sündigt, ob Jude, Christ oder Ungläubiger, muss Gottes Liebe und Akzeptanz kennen. Wir dürfen diese Hauptbotschaft nicht übersehen, die darin besteht, dass Gott diejenigen, die sündigen, liebt, wiederherstellt und sich über sie freut. Wir lernen aus dem Gleichnis viel über diese Gnade.

Gnade ist riskant. Um später die vergebende Gnade des Vaters zu verstehen, müssen wir zuerst seine anfängliche Gnade betrachten, die darin besteht, dass er seinem Sohn die Freiheit gibt, schlechte Entscheidungen zu treffen. Da der Vater offensichtlich Gott repräsentiert, sagt uns das nicht, dass Gott uns mit der Freiheit schuf, Entscheidungen zu treffen? Kann die Möglichkeit gegenseitiger Liebe unter irgendeiner anderen Bedingung existieren? Liebe und Gnade sind riskant. Dieser Vater kann entscheiden zu lieben, aber nicht, geliebt zu werden. Angebotene Liebe wird nicht immer erwidert. Wir sind keine vorprogrammierten Roboter sondern freie Akteure mit moralischer Verantwortung. Dies zerstört die Theologie des Determinismus, die lehrt, dass alle Handlungen vorherbestimmt sind, dass Gott nur manche liebt, nur sie erwählt um errettet zu werden und dass sie Seinem Willen nicht widerstehen können. Gott ist willens, eher die Zurückweisung Seiner kostenlosen Liebe zu riskieren als eine vorbestimmte Konformität mit Seiner erzwungenen Liebe zu bekommen, weil freiwillige Liebe Ihm Ehre bringt.

Freiheit ist würdevoll. Als ein freier moralischer Akteur trifft der auf Abwege geratene Sohn Entscheidungen, die von seinem Vater ermöglicht werden. Der Vater hätte seinen Sohn an einen Pfahl ketten können um ihn davon abzuhalten, fortzugehen, aber das wäre entwürdigend gewesen. Er lässt ihn nicht nur gehen, sondern er gibt ihm sein Erbe. Sogar in der Sünde wird die menschliche Würde des Sohnes bewahrt, indem er sein moralisches Vorrecht ausübt wie jemand, der nach dem Ebenbild Gottes geschaffen ist. Gott ist frei und hat den Menschen geschaffen, diese Freiheit zu teilen. Der Mensch ist nicht durch einen Willen gebunden, der ihm durch Gott aufgezwungen wird wie die strengen Calvinisten lehren. Das würde Gott für unsere Sünden verantwortlich machen. Dieser Sohn, der nach dem Ebenbild Gottes gemacht ist, behält genug von Gottes Ebenbild bei um zu verstehen, dass er nicht in den Schlamm eines Schweinestalles gehört. Er steht auf und kehrt zurück zu seinem Vater.

Gnade bricht die Beziehung niemals ab. Der Wille des Sohnes erlaubt ihm nicht, die Realität der Vater-Sohn-Beziehung zu verleugnen. Im Gegensatz zur arminianischen Lehre bleibt der Sohn immer ein Sohn. Er mag seinen Vater zurückweisen, aber sein Vater weist ihn niemals zurück. Er mag in ein "fernes Land" gegangen sein, aber er konnte nicht von seinem Sohnesverhältnis abirren oder von der Reichweite der Liebe Gottes abschweifen.

Buße ist eine Änderung der Ansicht. Als der Sohn sich seiner törichten Entscheidung bewusst wird, ein verschwenderisches Leben zu führen, beschreibt Jesus einen "Aha!"-Moment im Schweinestall: "Er kam aber zu sich selbst" (Schlachter2000; NeÜ: "Jetzt kam er zur Besinnung."). Mit anderen Worten, er hatte eine Änderung der Ansicht (Sinneswandel), er tat Buße. Die Beschreibung im Text zeigt diese Buße klar. Der Sohn ändert seine Ansicht im Schlamm. Als Resultat dieser Buße steht er auf und geht nach Hause. Wir sehen ein klares Verhältnis aber auch eine klare Unterscheidung zwischen dem Moment der Buße und dem anschließenden Resultat der Buße, oder der Wurzel und der Frucht.

Gottes Liebe und Gnade übersteigt unsere Sünde. Als der Sohn sich seiner Heimat nähert, sieht ihn sein Vater und läuft zu ihm hin. Obwohl der Sohn schwer gesündigt hat und weit von seines Vaters Willen abgewichen ist, war er doch niemals von seines Vaters Liebe getrennt. Die Liebe des Vaters ist so groß, dass er seinem Sohn nicht nur vergibt sondern ein Fest zu seinen Ehren veranstaltet. Die Annahme durch den Vater zeigt erstaunliche Gnade; die Feier zeigt übergroße Gnade.

Tod ist Trennung, nicht völlige Unfähigkeit zu reagieren. Die Liebe des Vaters erfreut sich an einem Sohn, der tot war "und ist wieder lebendig geworden, und er war verloren und ist wiedergefunden worden (Lukas 15:32). Calvinisten verweisen gern auf die Auferweckung des Lazarus in Johannes 11 um zu sagen, dass "tot" völlige Unfähigkeit zu reagieren bedeutet, wie bei einer Leiche. Hier sehen wir, dass "tot" auch als ein sprachliches Bild verwendet wird, aber um die Trennung vom Vater zu beschreiben, nicht die völlige Unfähigkeit zu reagieren. Wie der gefallene Adam im Garten war auch der verlorene Sohn imstande, auf Gottes Willen zu reagieren. Diejenigen, die tot in Sünden sind, bewahren Überreste des Ebenbildes Gottes, auch wenn sie von Gott getrennt sind.

Gnade bedeutet, dass wir nicht mehr weglaufen müssen. Als er heimkehrt und seines Vaters Liebe und vergebende Gnade sieht, können wir vermuten, dass dem Sohn klar wird, dass er niemals wieder davonlaufen muss. Er ist in der Liebe seines Vaters sicher. Er ist frei, in eine neue Zukunft hineinzuwachsen.

Manche werden Gottes Gnade nicht verstehen. Der ältere Bruder, der ein treuer Sohn war, stößt sich an der Gnade, die seinem verlorenen Bruder gezeigt wird (Lukas 15:25-30). Der ältere Bruder verlässt sich auf seine äußerliche Leistung, um die Gunst seines Vaters zu verdienen, und die hat er tatsächlich, aber die Liebe des Vaters geht über verdiente Belohnung hinaus bis zu unverdienter Gnade. Der ältere Bruder hat offensichtlich niemals von der Gnade seines Vaters Gebrauch machen müssen und weiß sie daher nicht zu schätzen.

Das Missverständnis der Gnade hält bis heute an. Beide Söhne sind für Gottes Gnade Verschwender, was sich in ihrem falschen Denken zeigt. Der jüngere Bruder denkt, wenn er nach Hause zurückkehrt und verspricht, gut zu sein und zu dienen, wird er die Gunst seines Vaters verdienen (Lukas 15:19). Der ältere Bruder denkt, weil er Gutes getan und gedient hat, verdient er die Gunst des Vaters (Lukas 15:29-30). Der eine macht die Gnade von versprochener menschlicher Leistung abhängig; der andere macht die Gnade von bewiesener menschlicher Leistung abhängig. Der eine denkt, dass der Vater ihm etwas schuldig sein wird; der andere denkt, dass der Vater ihm bereits etwas schuldet. Keiner versteht die Großartigkeit bedingungsloser Gnade unabhängig von menschlicher Leistung. Liebe und Gnade übertrumpfen die menschliche Leistung, ob gut oder schlecht.

Schlussfolgerung

Gnade zeigt uns, dass Gott, wie dieser Vater, niemals aufhören wird, Sünder zu lieben und ihnen zu vergeben. Auch wenn wir sündigen sollten und sogar rückfällig werden, wird Gott uns niemals verstoßen. Dies ist ganz anders als der arminianische Glaube, dass ein Gläubiger sündigen, seine Errettung verlieren und wieder errettet werden kann–dann wieder sündigen und wieder errettet werden kann. Es ist auch anders als der calvinistische Glaube, dass ein Mensch nicht wirklich ein Kind Gottes ist, solange er nicht treu bis zum Ende seines Lebens beharrt. Der Arminianer kann heute Gewissheit haben, aber morgen nicht unbedingt; der Calvinist hat heute Gewissheit, dass die Erwählten errettet werden, aber er hat keine Gewissheit, dass er erwählt ist, solange er nicht treu bis zum letzten Augenblick seines Lebens beharrt. Nur Gottes kostenlose Gnade kann einfach sagen: "Du bist geliebt und immer zuhause willkommen!"


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